Aussaat und Anzucht – vom Samen bis zur Pflanze

Es ist unglaublich, wie aus einem kleinen, fast übersehbaren Samen eine große Pflanze mit saftigen Blättern heranwachsen kann. Damit dieses Wunder gelingt, müssen jedoch einige Dinge beachtet werden.

Was müssen Sie vorher wissen?

Um den Nachwuchs bestmöglich zu fördern, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Das Wichtigste ist die Erde, der Nährboden für die kleinen Samen. Diese muss speziell für die Anzucht geeignet sein, denn normale Blumenerde enthält zu viele Nährstoffe. Zudem muss beim Kauf darauf geachtet werden, dass die Erde torffrei ist, also frei von Zusatzstoffen wie Kokos- oder Holzfasern. Natürlich kann die Erde auch selbst hergestellt werden, diese besteht dann aus einer speziellen Zusammensetzung von Kompost, Sand und Gartenerde. Jedoch muss das Substratgemisch dann selbst sterilisiert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Saatgut, hier bieten sich besonders resistente und robuste Sorten an.

Außerdem muss darauf geachtet werden, ob das ausgewählte Saatgut überhaupt noch keimfähig ist. Einige Sorten verlieren nach einer gewissen Zeit ihre Keimfähigkeit – da würde man lange auf den kleinen Spross warten.

Auch bei der Aussaat gilt es, wichtige Anweisungen zu befolgen, denn Pflanzen keimen unterschiedlich. Diese Anweisungen befinden sich oft auf den Verpackungen des jeweiligen Saatguts. Die Behältnisse, in denen das Saatgut gesät werden soll, sollten zuvor gereinigt werden. Zudem ist es ratsam, nicht das gesamte Saatgut auf einmal zu säen. Zum einen verhindert dies Verschwendung und zum anderen entsteht eine längere Erntezeit. Die Keimung beginnt, wenn die Keimtemperatur erreicht wird. Diese ist auf den Verpackungen des jeweiligen Saatguts vermerkt.

Welche Keimsorten gibt es?

Es gibt drei Arten von Keimsorten: Lichtkeimer, Dunkelkeimer und Kaltkeimer. Wie der Name bereits verrät, benötigen Lichtkeimer Licht zur Keimung. Daher werden diese mit wenig oder gar keiner Erde bedeckt.

Typische Lichtkeimer sind unter anderem Karotten, Dill, Roggen, Tomaten oder Sellerie. Dunkelkeimer müssen mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt werden, sie keimen nur in ausreichender Dunkelheit. Zu den typischen Dunkelkeimern zählen unter anderem Feldsalat, Koriander, Kürbis oder Eisenhut. Kaltkeimer hingegen lieben Kälte. Sie brauchen zur Keimung eine möglichst kühle Temperatur.

Sie sollten im Herbst oder Winter gesät werden. Wenn man nicht darauf warten will, kann die Kälte künstlich im Kühlschrank erzeugt werden. Die Keimdauer beträgt dabei mindestens sechs Wochen. Die typischen Vertreter sind unter anderem Bärlauch, Stiefmütterchen, Waldmeister und Mohn.

Die Anzucht: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Pflanzen anziehen ist aufregend, vor allem, wenn nach einigen Tagen die ersten Keimlinge durch die Erde hervordringen. Generell gibt es natürlich Unterschiede bei der Saat. So benötigen einige Keimarten mehr Licht oder Wärme als andere. Zudem unterscheidet man zwischen Direktsaat im Garten oder der Anzucht zu Hause oder im Gewächshaus. Die vorgezogenen Pflänzchen werden dann später in Töpfen gehalten oder im Hochbeet und Garten eingepflanzt. Um eine erfolgreiche Anzucht zu gewährleisten, müssen folgende Schritte beachtet werden.

1. Die richtige Erde finden

Das Wichtigste für die Anzucht ist die richtige Basis, in diesem Fall die Erde. Es muss eine spezielle Aussaaterde sein, diese kann entweder bereits fertig gekauft oder selbst gemischt werden. Wenn die Erde selbst hergestellt wird, dann muss sie zusätzlich sterilisiert werden, das funktioniert am besten im eigenen Backofen. Die Auswahl der richtigen Aussaaterde hängt natürlich auch vom jeweiligen Saatgut ab. Informationen lassen sich meistens auf der Packung entnehmen. Grundsätzlich sollte die Aussaaterde zwar feucht sein, aber zu starke Nässe gilt es zu vermeiden. Bereits wenn sich die Erde zu einem Klumpen formen lässt, ist sie zu nass.

2. Das richtige Aussäen

Das Saatgut muss gleichmäßig verteilt werden. Sofern es sich bei der Saat nicht um Lichtkeimer handelt, wird sie mit einer Schicht Erde bedeckt. Diese Schicht beträgt eine Dicke von 0,5 bis 1 cm. Die Erde wird am besten mit einem Sieb über die Saat gestreut, so lässt sich die Erde gleichmäßig verteilen. Anschließend muss die Erde noch leicht festgedrückt werden.

3. Das Aussaat-Klima und die passenden Licht- und Wasserverhältnisse

Jedes Saatgut hat ein individuell bevorzugtes Keim-Klima. In den meisten Fällen muss es feuchtwarm sein – meist zwischen 22-24°C. Um ein solches Klima zu erzeugen, kann ein kleines Gewächshaus oder Folie eingesetzt werden. Mit der Folie wird der Topf abgedeckt.

4. Licht, Wasser und Luft

Helles Licht, das nicht brennt, sollte vorhanden sein, um die Keimlinge zum Keimen zu bringen. Bei der Anzucht im Gewächshaus oder zu Hause sollte die Erde immer mit ausreichend Wasser und Luft versorgt werden, damit der Spross optimal wachsen kann und kein Schimmel entsteht. Bei der Direktsaat wird das Saatgut direkt in den Garten beziehungsweise das Beet gesät. Dafür muss der Boden richtig vorbereitet werden: Er sollte locker sein, aber dennoch eine gewisse Festigkeit aufweisen. Dadurch erhält die Saat Kontakt zu den wasserführenden Erd-Schichten.

5. Die Keimung

Beinahe alle Arten von Samen nehmen nach ihrer Reife eine Samenruhe. Erst nach dieser kann die Keimung erfolgen. Die Keimdauer ist die Zeit von der Aussaat bis zur Keimung, diese kann stark variieren.

6. Das Pikieren

Sobald die Samen gekeimt sind, müssen die Sämlinge umgepflanzt werden. Dieses Umpflanzen findet in der Regel erst dann statt, wenn zwei bis drei Blattpaare vorhanden sind. Mit einem speziellen Werkezeug, dem Pikierholz, wird ein kleines Pflanzloch in die Erde gemacht. Anschließend wird dieses nach dem Einpflanzen leicht angedrückt.

7. Das Abhärten der Sämlinge

In der Regel sind die meisten Sämlinge sehr temperatur-, licht- und luftempfindlich. Aus diesem Grund müssen sie langsam an diese Umstände gewöhnt werden, diesen Vorgang nennt man auch Abhärten. Sofern die Sämlinge bislang beispielsweise in einem Gewächshaus standen, müssen diese von der Luftfeuchtigkeit abgewöhnt werden, damit sie sich an ein trockeneres Klima gewöhnen. Dasselbe gilt auch für Sämlinge, die abgedeckt im Topf gezogen und mit einer Folie abgedeckt wurden. Wenn die Pflanze im Garten oder Hochbeet weiterwachsen soll, dann sollte diese zunächst nur tagsüber hinausgestellt werden und nachts im Haus ruhen. So wird die Pflanze schonend auf die Temperatur vorbereitet.



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